Barrierefreiheit muss neu gedacht werden! – Besuch im KIS Werksausschuss

Die Arbeit der Mitglieder des Beirats findet auch und gerade in den Ausschüssen des Stadtparlaments statt.

Es ist hier unverzichtbar, die Bedarfe und Forderungen klar und laut zu benennen und die Durchsetzung und/oder Neuformulierung bisher nicht umgesetzter Entscheidungen der Ausschüsse bzw. der Stadtverordnetenversammlung einzufordern.

Politik und Verwaltung arbeiten eben nicht Hand in Hand und so bleiben gefasste und richtige Beschlüsse bisweilen liegen und führen somit auch nicht zur Verbessung der Lebenssituation für Menschen mit Behinderung.

So kann der Eindruck entstehen, dass sich keiner hierfür verantwortlich fühlt und die Teilhabe nicht ernstgenommen wird!

Uns als Beiräte begegnet dieser Umstand nahezu täglich und fordert unsere volle Aufmerksamkeit und ein agressives und präsentes Engagement.

Die sogenannte Inklusion, oder besser Teilhabe, ist keine Option die bei ausreichendem Budget einfach irgendwo “zugebucht” werden müsste, sie ist eine grundsätzliche Überzeugung und Art miteinander umzugehen.

Aktuell nahmen wir bestehende Mißstände, die im Zusammenhang mit dem Umzug des Beirats auf dem Rathauscampus (Grund hierfür sind die umfangreichen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen) in ein anderes bereitgestelltes Büro auf und mahnten erst in Gesprächen, dann in den von uns besetzen Ausschüssen (GSI, SBV, etc.) und nicht zuletzt in dem zuständigen Werksausschuss des Kommunalen Immobilienservice – KIS die Einhaltung und Berücksichtigung der barrierefreien Teilhabe bei seiner Sitzung am 23.02.2019 für alle an.

In unserer Arbeit begegnet uns immer wieder ein falsches und stark veraltetes Verständnis von Teilhabe, welches die selbstbestimmte Lebensgestaltung und die gleichberechtigte und wertschöpfende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unbeachtet lässt. 

Inklusion bedeutet nicht im Rollstuhl geschoben zu werden, Inklusion bedeutet sich selbst – unter Zuhilfenahme eines Nachteilsausgleichs – bewegen zu können.

Dieses Bild wird im Übrigen dahingehend abgerundet, dass die Herstellung barrierearmer bzw. barrierefreier Umstände mit angeblichen Mehrkosten und Mehraufwand in den Bereich des Kostenvorbehalts delegiert wird.

Wir sagen dazu: Diese Argumenation ist diskriminierend, da Kosten zur Herstellung gleicher Bedingungen in Lebens- & Arbeitswelten gesamtgesellschaftliche Kosten sind und kein “Behinderten-Extra-Topf”!

Gern empfehlen wir hier auch die Lektüre des Artikel 3.3 im Grundgesetz!

 


Aktuelle Berichterstattung zu diesem Thema

Potsdams Stadtverwaltung ist nicht behindertengerecht – MAZ 24.05.2019