Gemeinsame Pressemitteilung zur inklusiven Bildung in Potsdam

Inklusion konsequent auch in der Bildung umsetzen

 

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention
hat sich Deutschland für die Umsetzung der vollen
gesellschaftlichen Teilhabe auf allen Ebenen entschieden.

 

Wenn der Gedanke der Inklusion konsequent zu Ende gedacht wird, sind keine Sondereinrichtungen im Bildungsbereich mehr notwendig.

„Die Aufrechterhaltung eines Sonderschulsystems neben der Regelschule ist nicht mit der UN-Behindertenrechtskonvention in Einklang zu bringen“,

so der Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Christoph Richter. Darauf hatte der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen bereits 2015 anlässlich der Staatenberichtsprüfung Deutschlands hingewiesen.

Für ein inklusives Bildungssystem müssen aber Voraussetzungen geschaffen werden. Beispielsweise, dass die spezifische Förderung der Kinder mit Behinderung an die Regelschulen folgt bzw. auch in den Gebäuden der allgemeinen Schulen möglich ist.

„Die Schließung einer guten Förderschule allein ist noch kein Akt der Inklusion, wenn die Regelschule den Kindern mit und ohne Behinderung nicht die Bedingungen für individuell erfolgreiches Lernen bieten kann“,

so Christoph Richter. Ein wesentlicher Faktor für den erfolgreichen Aufbau eines inklusiven Bildungssystems ist also die systematische Verlagerung der sonderpädagogischen Förderung in die allgemeine Schule.

Solange diese Ressourcen an Förderschulen gebunden sind, entwickeln sich die Regelschulen nicht im Sinne der Inklusion und der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Inklusion kommt so nicht voran, sind sich der Beauftragte für Menschen mit Behinderung und der Beirat für Menschen mit Behinderung einig.

„Viele Erfahrungen in Deutschland und im Ausland zeigen, dass das gemeinsame Lernen und die gemeinsame Freizeitgestaltung von Kindern mit und ohne Behinderung große Vorteile mit sich bringen und Barrieren und Vorurteile schon im frühen Alter auf beiden Seiten gar nicht erst entstehen.

Die Unterschiedlichkeit wird als „normal“ wahrgenommen. Kinder lernen gemeinsam und voneinander. MitschülerInnen lernen mit Kindern, die zum Beispiel eine Sprachbehinderung haben, zu kommunizieren.

So zeigen sie, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben, lernen und arbeiten können“,

so Manuela Kiss die Sprecherin des Beirates für Menschen mit Behinderung.

Gerade im Übergang von der Kita in das Schulsystem werden viele Kinder mit Behinderung aus ihrem sozialem Umfeld herausgenommen. Sie verlieren den Kontakt zu den Kindern in der Nachbarschaft. Das schafft Abgrenzung, Isolation und Diskriminierung.

Zur Inklusion gibt es keine Alternative, wenn wir nicht wollen, dass Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund von architektonischen oder einstellungsbedingten Barrieren in Sonderwelten leben, lernen und arbeiten müssen.“,

so Manuela Kiss, Sprecherin des Beirates für Menschen mit Behinderung. Auch wird es schwer möglich sein, auf Dauer beide Schulsysteme – also das gegliederte Schulsystem mit Förderschulen auf der einen und ein durchgängig inklusives Schulsystem auf der anderen Seite – aufrecht zu erhalten und zu finanzieren.

Deshalb gilt es, die Inklusion auch im Rahmen einer gezielten Schulentwicklungsplanung konsequent weiter voranzutreiben und mit den nötigen Ressourcen abzusichern. Dabei muss die benötigte Unterstützung und Förderung den Kindern mit Behinderung dorthin folgen, wo diese beschult werden. Nur so ist ein inklusives Bildungssystem möglich.

Hier ist also nach wie vor politischer Wille im Land Brandenburg gefordert, inklusive Bildung nicht nur rhetorisch zu unterstützen, sondern die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen für einen erfolgreichen gemeinsamen Unterricht im allgemeinen Schulsystem zur Verfügung zu stellen.

Die Landeshauptstadt Potsdam spricht sich für Vielfalt im städtischen Leben aus.

Dazu gehört auch als wichtiger Baustein die inklusive Schule in Mitten der Gesellschaft. Die Landeshauptstadt Potsdam sollte sich daher aus Sicht des Beauftragten für Menschen mit Behinderung sowie des Beirates für Menschen mit Behinderung sich für die Umsetzung von inklusiven Schule klar gegenüber dem Land Brandenburg aussprechen.

 

Christoph Richter                                                      Manuela Kiss 

Beauftragter für Menschen mit Behinderung           Beirat für Menschen mit Behinderung
                                                                                 Sprecherin